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Prof. Dr. Ute Verstegen

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Fundstück 2007-05: Grab des Herodes 

Fundstück im Mai 2007: Wurde im Westjordanland das Grab des Herodes entdeckt? 

In seinem Werk über die Geschichte des jüdischen Krieges beschreibt der in Jerusalem geborene und später in Rom lebende Autor Flavius Josephus (ca. 37/38-100) auch die Geschehnisse beim Tod des Königs Herodes. Herodes, der schon länger an einer quälenden Krankheit litt, hatte verfügt, im Herodion/Herodium beigesetzt zu werden, einer 12 km südlich von Jerusalem in Richtung Bethlehem gelegenen, befestigten Palastanlage am Rand der judäischen Wüste. In einer langen Prozession - so Josephus - wurde die mit purpurnen Stoffen ausgekleidete, kostbar verzierte Bahre mit dem Leichnam des Königs von Jerusalem aus hierher überführt (Ios., Bell. Iud. 1, 33, 9).

Herodes, der um 73 v. Chr. geboren worden war, hatte Judäa von etwa 40 bis zu seinem Tod im März oder April des Jahres 4 v. Chr. als von Rom eingesetzter König regiert. Dem Matthäusevangelium zufolge ließ er nach der Geburt Jesu in Bethlehem alle Knaben bis zu einem Alter von zwei Jahren töten, weil er durch das prophezeite Erscheinen des Messias das Ende seiner eigenen Regentschaft fürchtete (vgl. Mt 2,1-12;16-18) – ein Ereignis, das allerdings in keiner anderen Quelle erwähnt und daher von manchen Historikern bezweifelt wird.

Herodes, der selbst kein Jude war und daher bei der Bevölkerung Judäas keine Anerkennung fand, war für einige bedeutende Bauvorhaben verantwortlich, so z. B. für den umfassenden Ausbau des Jerusalemer Tempels und den Neubau der königlichen Paläste in Jerusalem. Er ließ auch andernorts prunkvolle Palastanlagen errichten, beispielsweise in der Festung Masada am Toten Meer oder die Anlagen des Herodion/Herodium, die nach dem König selbst benannt sind.


Luftbild des Herodion. Bildrecht: Jim Hollander/DPA

Für das Herodion ließ er einen vorhandenen Hügel künstlich aufschütten und zuoberst ein Plateau für eine kreisrunde, befestigte Palastanlage errichten, so dass der Berg bis heute die charakteristische Form eines Kegelstumpfs aufweist. Vom Plateau aus konnte man bis nach Jerusalem und Bethlehem blicken, und umgekehrt war der Berg von dort aus gut sichtbar. Am Fuß des Berges ließ Herodes einen weiteren Palast errichten, der ein künstliches Wasserbassin mit einer Insel umgab, das vermutlich für erfrischende Badevergnügen und Wasserspiele genutzt wurde. Das Wasser dazu wurde durch einen Kanal aus Jerusalem herangeführt.

Ausgrabungen haben jüngst am nordöstlichen Abhang zwischen der Bergfestung und dem Palast im Tal eine Grabstätte entdeckt, die mit der des Herodes identifiziert wird. Eine 300 m lange und 30 Meter breite Rampe verläuft hier am Hang des künstlich aufgeworfenen Kegelhügels. An ihrem Ende fanden sich die Fundamente eines großen Gebäudes, unter dem die Wissenschaftler lange Zeit das Grab vermuteten.

Der israelische Archäologe Ehud Netzer von der Hebrew University of Jerusalem, der seit 1972 Ausgrabungen im Herodium durchführt und ein Experte für die herodianische Zeit ist, erklärte nun in einer Pressekonferenz am 8. Mai 2007, dass drei Wochen zuvor die Reste des Sarkophags von Herodes gefunden worden seien. Netzer nimmt an, dass der Sarkophag, von dem nur noch Fragmente erhalten sind, absichtlich zertrümmert wurde, und zwar während der großen jüdischen Revolte in den Jahren 66 bis 72 n. Chr. Im Bereich des Sargs fanden sich weder Überreste menschlicher Gebeine noch Hinweise auf die kostbaren Grabbeigaben, von denen Flavius Josephus berichtet, wie z. B. ein mit Edelsteinen verziertes, goldenes Zepter. Bislang liegen auch keine epigraphischen Zeugnisse oder andere Funde vor, die das Grab eindeutig als das des Herodes kennzeichnen. Die Fragmente von Bauornamentik, die die israelischen Archäologen der Öffentlichkeit präsentierten, machen eine Datierung in die gewünschte Zeit jedoch zumindest möglich. Den bislang publizierten Aufnahmen nach zu schließen, handelt es sich um Steinblöcke mit Zahnschnitt, Palmettenfriesen und ionischen Kymatien sowie um Rosetten, die allesamt einem hellenistisch-frührömischen Ambiente angehören.

           

Bauornamentikfragmente, die vermutlich vom Grabbau des Herodes beim Herodion stammen.
Fotos: Screenshots aus dem Tagesschau-Beitrag von
Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv, 8.5.2007.

Das Herodesgrab wurde aufgrund der Textüberlieferung schon lange beim Herodion vermutet, die Ausgrabungen waren in diesem Punkt jedoch über Jahrzehnte ergebnislos verlaufen. Erste Ausgrabungen durch franziskanische Mönche gab es an diesem Ort bereits zwischen 1956 und 1962. Fünf Jahre nach dem Sechstagekrieg im Juni 1967, während dessen das Gebiet um das Herodion erobert wurde, veranlasste Israel die ersten umfangreicheren Ausgrabungen. Heute liegt die Stätte im Westjordangebiet und ist wegen der neuen Grenzmauer zwischen Israel und dem Westjordanland nur noch schwierig zu besuchen.

Weitere Informationen unter:

VGWVP4