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Prof. Dr. Ute Verstegen

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Fundstück 2009-08: Spektakuläre Funde in der Hagia Sophia 

Fundstück 2009-08: Tunnelsystem unter der Hagia Sophia 

Taucher und Höhlenforscher mitten in der Hagia Sophia?

 

Der türkische Dokumentarfilmer Göksel Gülensoy (geb. 1962), dessen Film "Ayasofya" von 1992 mehrere Preise gewonnen hat, überrascht mit einem spektakulären Dokumentarfilm über das Tunnel- und Kanalsystem unter der Hagia Sophia. Sein 50minütiger Film "Ayasofya’nın Derinliklerinde" wird ab Herbst 2009 auf Dokumentarfilmfestivals zu sehen sein. Gülensoy arbeitet an dem Projekt bereits seit 1998. Der lange Projektzeitraum war auch durch denkmalpflegerische Bedenken gegen das Unternehmen und bürokratische Hürden verursacht.

Über Einstiegslöcher im Boden des Kuppelraums der Hagia Sophia sind einerseits ein wassergefülltes Kanal- und Zisternensystem, andererseits ein Tunnelsystem mit mehreren Zweigröhren zugänglich. Beide Systeme sind bekannt, sie wurden aber seit Dezennien nicht mehr betreten. Das Kanalsystem, dessen Einstieg direkt neben dem Hauptportal liegt, wurde 1945 letztmalig geöffnet. Ein zweiter Einstieg führt in eine Zisterne, in der sich Flaschen aus dem Jahr 1917 sowie Glasbruchstücke der großen Leuchterkränze aus der Hagia Sophia und Farbglasfragmente, eventuell von Fenstern, fanden. Alle Objekte mussten nach Absprache mit den Behörden vor Ort belassen werden. Den Tauchern stand für ihre Unternehmung nur ein Tag zur Verfügung.

Vier profesionellen Höhlenforschern der International Speleological Society von Boğaziçi (BUMAD) war genehmigt worden, innerhalb von acht Stunden gemeinsam mit Haluk Dursun, dem Direktor des Museums der Hagia Sophia, das Tunnelsystem unter der Hagia Sophia zu erforschen. Ausgehend von einer Pfeilerhalle entdeckten sie zwei 70 cm hohe Gänge in Richtung Sultanahmet Platz und Topkapı-Palast, die sich nach 50 m wieder verzweigten. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um Tunnelanlagen handelt, mittels derer es den byzantinischen Kaisern möglich war, ungesehen von der Hagia Sophia z. B. zum Kaiserpalast und zum Hippodrom zu gelangen. In einem Präsentationsvideo des Films sind Bauornamentikstücke zu sehen, die in frühbyzantinische Zeit (eventuell justinianisch) datieren dürften.

An einem der Gänge befanden sich zwei 2 m hohe und 5 m2 große Räume, in denen sich Knochen und zerbrochene Krüge fanden. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um das Grab des Kinderheiligen Antinegenos handelt, der ersten Person, die im 13. Jahrhundert bekanntermaßen unter der Hagia Sophia bestattet wurde, sowie um das Grab des Patriarchen Athanasios II. (1450-1453).

Durch die spektakulären Funde veranlasst, hat der Direktor des Hagia-Sophia-Museums in Aussicht gestellt, das Bauwerk zeitweise für intensive Nachforschungen zu schließen. Erst kürzlich war die Hagia Sophia in die Schlagzeilen geraten, als bei Restaurierungsarbeiten im Kuppelbereich das gut erhaltene Mosaik eines Seraphen zum Vorschein kam, sowie an andere Stelle das 1 x 1,5 m große Mosaik eines stehenden Engels, das zuletzt bei den Restaurierungsarbeiten unter Fossati in den 1840er Jahren sichtbar war.

 

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